Es gibt nicht einfach „die Mediation“ sondern viele unterschiedliche Varianten. Um einen kleinen Überblick zu bekommen, stelle ich hier 5 Mediationsmodelle mit Praxisbeispielen und ihren verschiedenen Merkmalen und Zielen vor.

Mediation hat viele Gesichter – welches Modell passt zu Ihnen und Ihrem Konflikt?
Mediation ist nicht gleich Mediation. Die richtige Wahl kann den Unterschied machen. Denn hinter dem Überbegriff „Mediation“ verbergen sich sehr unterschiedliche Modelle mit eigenen Zielen, Methoden und Stärken. Wer einen Mediator sucht, stellt sich oft die Frage: Was passiert eigentlich in einer Mediation? Und wie läuft das bei mir konkret ab?
Das Meta-Modell der Mediationsforscherin Nadja Alexander bietet eine hilfreiche Orientierung: Es beschreibt sechs bzw. fünf Mediationsmodelle, die in der Praxis eingesetzt werden – von der schnellen Einigung bis zur tiefen Beziehungsklärung. Das Original-Modell unterscheidet sechs Varianten; der Übersichtlichkeit halber fasse ich ähnliche Ansätze hier zusammen. In diesem Beitrag möchte ich sie Ihnen vorstelle, damit Sie verstehen, welcher Ansatz zu Ihrem Anliegen passt.
Warum es verschiedene Mediationsmodelle gibt
Konflikte sind unterschiedlich. Ein Streit über eine Rechnung zwischen zwei Unternehmen braucht eine andere Herangehensweise als ein Erbschaftskonflikt in der Familie oder eine Auseinandersetzung innerhalb eines Teams.
Deshalb gibt es nicht „die eine“ Mediation – sondern verschiedene Mediationsverfahren, die je nach Kontext, Ziel und Beteiligten eingesetzt werden. Die Wahl des richtigen Modells macht oft den Unterschied zwischen einer nachhaltigen Lösung und einem Abbruch.
Die 5 Mediationsmodelle im Überblicke
1. Einigungsorientierte Mediation
Ziel: Eine pragmatische, verbindliche Einigung – oft als Kompromiss oder Vergleich.
Typische Situation: Zwei Unternehmen streiten über Geld, Fristen oder Leistungen. Beide wollen den Konflikt zügig abschließen, ohne Gericht und ohne monatelange Verhandlung.
Merkmale:
– Fokus auf konkreten Lösungen und Zahlen
– Wenig Arbeit an Beziehung oder Emotionen
– Der/die Mediator:in strukturiert das Gespräch und hält den Prozess in Gang
„Wir kommen hier Schritt für Schritt zu einer klaren Lösung.“
2. Interessenbasierte Mediation
Ziel: Eine Lösung, die die echten Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigt – nicht nur die vorgetragenen Positionen.
Typische Situation: Im Büro streiten zwei Kolleginnen über Homeoffice-Regelungen. Die Positionen sind klar – aber dahinter liegen Wünsche nach Fairness, Anerkennung und Verlässlichkeit.
Merkmale:
– Arbeit mit Interessen und Bedürfnissen hinter den Positionen
– Offenes Erkunden möglicher Lösungen
– Der/die Mediator:in hilft, den Blick zu weiten
„Wir reden nicht mehr über Positionen – wir verstehen, was uns wirklich wichtig ist.“
3. Transformative Mediation
Ziel: Stärkung der Handlungsfähigkeit beider Seiten und gegenseitige Anerkennung – nicht primär eine Einigung.
Typische Situation: Eine Nachbarschaft oder Schulgemeinschaft erlebt anhaltende Spannungen. Lösungen wurden bereits versucht – aber das Miteinander bleibt schwierig.
Merkmale:
– Fokus auf Kommunikation und gegenseitigem Verständnis
– Weniger Ergebnisorientierung, mehr Prozessorientierung
– Der/die Mediator:in folgt den Beteiligten, greift wenig ein
„Ich fühle mich wieder gehört – und ich kann den anderen jetzt anders hören.“
4. Narrative Mediation
Ziel: Die Geschichte des Konflikts gemeinsam neu schreiben – und so neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Typische Situation: In einem Team gibt es eine eingefahrene Konfliktstory: „Der eine ist das Problem.“ Die Narrative Mediation hinterfragt diese Geschichte und öffnet neue Perspektiven.
Merkmale:
– Arbeit mit Erzählungen, Deutungen und Bedeutungen
– Bestehende Konfliktgeschichten werden hinterfragt
– Raum für neue, gemeinsame Erzählungen entsteht
„Wir kamen uns nicht gesehen vor – jetzt sehen wir auch, was zwischen uns funktioniert.“
5. Traditions- und gemeinschaftsbasierte Mediation
Ziel: Eine Lösung, die zur kulturellen, religiösen oder organisatorischen Gemeinschaft passt und dort Bestand hat.
Typische Situation: In einer Dorfgemeinschaft oder einem Familienverband gibt es einen langanhaltenden Streit. Die Lösung muss zur Gemeinschaft passen – nicht nur zu den zwei streitenden Parteien.
Merkmale:
– Der/die Mediator:in hat eine anerkannte Rolle als Vertrauensperson
– Bezug auf gemeinsame Werte, Traditionen und Regeln
– Die Lösung soll die Gemeinschaft stärken
„Wir finden eine Lösung, die nicht nur uns, sondern auch den Rahmen respektiert, in dem wir leben.“
Welches Mediationsmodell ist das richtige für mich?
Es gibt kein Mediationsmodell, das „besser“ ist. Je nach Konflikttyp, Parteien, Kontext und Anliegen kann ein anderer Ansatz sinnvoll sein. Deshalb ist die Austragsklärung im Vorgespräch enorm wichtig.
| Situation | Geeignetes Mediationsmodell |
| Streit um Geld oder Leistungen | Einigungsorientiert |
| Bedürfnisse und Interessen klären | Interessenbasiert |
| Beziehung und Kommunikation verbessern | Transformativ |
| Festgefahrene Konfliktgeschichten auflösen | Narrativ |
| Lösung für eine Gemeinschaft finden | Traditions-/gemeinschaftsbasiert |
Als Mediator ist es mir wichtig, transparent zu machen, mit welchem Stil ich arbeite – und welches Modell zu Ihrer Situation passt. In einem unverbindlichen Vorgespräch klären wir gemeinsam: Brauchen Sie eine schnelle Einigung oder eine tiefe Klärung? Eher Struktur und Information – oder Raum für Beziehung und Emotion?
Vereinbaren Sie gerne ein kostenloses Erstgespräch.



